In vielen Dampfloks (z.B. württm. C/K, peuss. S10, BR 18, BR59, etc.) werden von Märklin / Trix für die Stirn-/Tender-Beleuchtung kleine, steckbare Laternen verbaut. Mittlerweile werden diese zwar auch bei neuen Lokomotiven in warm-weisser Ausführung angeboten, wer aber seine "alten" Loks auch damit ausstatten möchte hat nur zwei Möglichkeiten - Neukauf oder Selbermachen.Während der Neukauf meistens teuer ist und oft auch schon - wegen fehlender Ersatzteile - oft nicht mehr möglich ist, schreckt das Selbermachen viele ab - weil das ja alles so furchtbar klein ist und filigran ist.
Wer es aber trotzdem Wagen will, findet nachgehend eine kleine Anleitung wie es geht.
Hintergrund
Die Laternen bestehen aus einen Kunststoffgehäuse und einem LED-Träger, der auch gleichzeitig zur Kontaktierung verwendet wird. Dabei handelt es sich im Prinzip um eine kleine, doppelseitige Leiterplatte die oben eine ausgeformte Stelle besitzt, wo das Substrat aufgebracht. Der Schaftbereich dient zur Steckung der Laterne in einem in der Lok eingebauten Laternenträger.
Der LED-Träger ist mit fast unsichtbar wirkenden LEDs versehen. Diese "Unsichtbarkeit" erreicht man mit dem sogn. Bonding-Verfahren. Dabei klebt man auf eine Trägerplatine das LED-Substrat auf und verbindet dessen Anschlüsse mit hauchdünnen Golddrähtchen zum Tragermaterial - somit hat man quasi eine LED ohne Gehäuse, das dann durch die Laterne selbst gebildet wird.
Voraussetzungen
Für den Umbau beachten sie bitte Folgendes:
SMD-LEDs
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Diese bekommt man im Elektronik-Fachhandel oder meist einfacher und in kleinen Mangen bei eBay. Es haben sich zwei SMD-Bauformen als geeignet erwiesen.
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Werkzeug(e)
- Bohrmaschine
Für viele kleine Bohrarbeiten ist es eigentlich unerlässig eine Kleinbohrmaschine (verschiedene Hersteller: z.B. Dremel, etc.) zur Verfügung zu haben. Der nebenstehend gezeigte "Dremel" sei hier nur beispielhaft gezeigt
- Bohrkloben
Es ist oft unerlässlich auch von Hand bohren zu können.
Mit dessen Hilfe kann man Bohrungen von Hand, vornehmlich in Kunststoffen oder ähnl. weichen Werkstoffen anfertigen. Es gibt sie in verschiedenen Ausführungen (mit Spannzangen, Minibohrfutter, etc.) von ebenso verscheidenen Herstellern (Fohrmann Werkzeuge, eBay, etc.)Ich persönlich setzte die abgebildete Ausführung ein..
- Bohrer
Oft gibt es diese als Sets bei verschiedenen Anbietern zu kaufen.
Es sollten HSS-Bohrer von 0.3 - 2.5 mm und 3, 3.2, 4, 5, 6 mm verfügbar sein.
- Trennscheibe
In der Diamantausführung sind diese sogar sehr hilfreich.
Für kleinere Trennarbeiten, ist es oft hilfreich mit einer kleinen Trennscheibe, die man in den Dremel spannen kann, zu arbeiten.
- Skalpell
Eine bis mehrere Packungen Ersatzklingen sind auch ganz hilfreich.
Oft ist es hilfreich ein Skalpell zur Hand zu haben. Dieses besitzt i.d.R. extrem scharfe, auswechselbare Klingen. So köennn dann kleine "Schnitzarbeiten" gelingen.
- Pinsel
Aber auch im Modellbahnfachhandel ist man gut bestückt.Für feine Malereien oder Farbausbesserungen sollten einige Pinsel vorhanden sein. Da gibt es unterschiedlichste Ausführungen und Qualitäten. In Baumärkten, Discounter-Laden etc. gibt es machmal preiswerte Sets die durchaus brauchbar sind.
- Vielfach-Messinstrument
Das braucht sonst nix Großartigens sein. Ausreichende Geräte gibt es bereits für Kleines Geld (~20 €) im Elektronik-Fachhandel.
Zur Durchführung verschiedener Messaufgaben, sollte ein Multimeter vorhanden sein. Die meisten Geräte besitzen verschiedene Messbereiche für Strom(AC/DC), Spannung (AC/DC), Widerstand, Diodentest, etc. Die aufgeführten Bereiche sollten allerding schon vorhanden sein.
- LupenlampeFür filigranes Arbeiten kommt es neben geeigneter Fingerfertigkeit auch auf "Gutes Sehen" an. Dazu ist eine Lupenlampe sehr hilfreich. Dabei sollte aber eine gewählt werden, die einen "Einblick von Oben" gewährleistet und die beleuchtet ist. Durch den Durchlick von Oben hat man beim Arbeiten beide Hände frei, was manchmal von entscheidender Bedeutung ist.
Der Markt hält dazu eine fast unüberschaubare Vielfalt bereit..
Hilfsmittel
Umbau
Durchlassrichtung der LED bestimmen
Da LEDs polaritätsrichtig betrieben werden, muss - beim späteren Auflöten die LED - diese natürlich auch "richtig herum" aufgesetzt werden. Mit einem Multimeter können wir die richtige Polarität vor dem Zerlegen bestimmen. Details dazu finden sie in diesem Beitrag.
Meine Messung ergab, das sich auf der im Bild gezeigten "langen" Seite" die Anode [+]-Pluspol und auf der kurzen Seiten die Kathode [-]-Pol befindet.
mechanische Arbeiten
Man muss mit einer schmalen Klinge (Skalpell/Cutter-Messer) die hintere Kunststoffabdeckung abheben. Dann kann man die Platine herausnehmen.
Das Substrat wird dann mit der scharfen Skalpell-Klinge abgeschabt. Dann werden die Kontakte schön sauber und plan.
elektrische Arbeiten
Vor dem Auflöten, wird die Trägerplatte auf etwas doppelseitigem Klebeband fixiert. Dannach wird die Kathode (im Bild die kleine Lötfläche) mit etwas Lötzinn versehen.
Jetzt kann die Ersatz-LED aufgelötet werden. Dazu wird diese mit einer Pinzette gegriffen und pol-richtig an die zuvor verzinnte Kathode herangeführt.
Wichtig ist, dass die LED dabei mit der grünen Marke nach rechts ausgerichtet wird.
Nun das Zinn erneut verflüssigen und die LED leicht in Richtung des flüssigen Zinns schieben - dabei gleichzeitig auch ausrichten. Das Zinnverläuft nun mit der Kontaktierung der LED. Die Lotkolbenspitze wegziehen und das Lot erkalten lassen. Nun sitzt die LED einseitig bereits fest.
Vor der Verlötung der andere Seite [Anode] nochmals die LED-Funktion überprüfen [Multimeter].
Ist alles ok - die LED ist beim Verlöten nicht den Hitzetod gestorben
- muss noch die andere Seite verlötet werden und dann ist es auch schon erledigt.
Wurde nur eine Laterne repariert, weil ihre LED defekt war, sollte am am Besten die LEDs der anderen Laternen gleich auch mit ändern, um Farbabweichungen der LEDs entgegenzuwirken.
Zusammenbau
Jetzt nochmal eine Abschluß-Funktionsprüfung - ob die LED immer noch lebt
- und kann es auch schon wieder an den Zusammenbau gehen.
Dazu werden nun die Einzelteile mit dem geänderten LED-Träger wieder zusammengesetzt. Die Bilder zeigen es im Detail.


weitere el. Anpassungen
Da LEDs nicht direkt, sondern immer mit einem Strombegrenzungs-/Vorwiderstand betrieben werden, ist es ggf.. noch notwendig, diesen etwas anzupassen.
Speziell bei der Verwendung von sehr hellen "Hyperbright-LEDs" kommt es sonst zu flutlichtartigem Lichtaustritt an den neuen Laternen. Werden modere Decoder verwendet, kann man auch durch das Dimmen der Lichtausgänge oft schon vieles erreichen. Schauen sie dazu bitte in der Decoder-Anleitung nach den Einstellung der CVs nach.
Sollten die LED-Widerstände doch angepasst werden müssen, bei mir hat sich da ein Wert von 10kOhm (SMD-Code: 103 / Bauform 1206) als ausweichend erwiesen, steht natürlich zunächst einmal deren Identifikation bevor. Dazu verfolgt man die LED-Verdrahtung bis hin zur ihrem Anschluß am Decoder oder am Decoderträger. Dort findet man meist leicht durch verfolgen der Leiterbahnen die entsprechenden Widerstände.
Für die Eingang erwähnten Lokomotiven finden sie hier einige Beispiele:
Fazit
Nach dem Umbau der LEDs können diese nun in der gewünschten LED-Farbe neu erstahlen.






